Hallo Volker! Jetzt hat sich’s so ewig gezogen, daß ich dich endlich mit meinen Fragen penetrieren kann. Ich hoffe, du bist immer noch auskunftsfreudig…
Für dich nehm ich mir doch gerne Zeit. Und reden kann ich wie ein Buch, wenn’s sein muss. Also, es kann losgehen!

Ohne zu übertreiben kann ich behaupten, daß mich „Universal super swamp” regelrecht geplättet hat. Diese Walze hätte ich nicht erwartet, obwohl mich Marc im letzten Interview auf Überraschungen vorbereitet hat…
Freut mich, dass du positiv überrascht bist! Natürlich waren zu dem Zeitpunkt nur einzelne Ansätze vorhanden, die sich aber schon damals sehr stark vom „Bullet“-Material unterschieden haben. Für uns war damals schon klar, dass wir uns theoretisch schon wieder umbenennen könnten.

Obwohl das Album noch nicht allzu lange draußen ist - welche Reaktionen habt ihr bisher bekommen?
Sofern uns niemand in den Hintern kriechen wollte, kam die Platte bisher durchweg gut an! Die ersten Reviews trudeln gerade ein und wir sind sehr, sehr zufrieden.

Mit dem „Gloomy Thrash’n’Roll” der Anfangsjahre hat „USS” wohl so gut wie nix mehr zu tun. Wie würdest du den aktuellen Blackpuzzle-Sound kompakt beschreiben?
Das hab ich mir in letzter Zeit öfter überlegt. Es ist schwer was zu finden mit drei Worten, was wohl „kompakt“ meinen würde. Auf unserer Myspace-Seite hab ich „Heavy Duty Swamp Rock“ angegeben. Das passt ganz gut, glaub ich.

Ich find besonders den hohen Anteil an Stoner/Doom-Kram „berauschend”, und hab mich ja schon gefragt, welche Substanzen ihr euch beim Songwriting und den Aufnahmen eingeworfen habt…
Ach das gefällt dir, ja? Das hat sich einfach eingeschlichen, hauptsächlich gegen Ende der Aufnahmen, aber dominieren tut das ja nicht. Die Substanzen waren die üblichen… etwas Tee und Hustenbonbons ;-)

Würdest du mir zustimmen, daß ihr das atmosphärisch Rockende der Vergangenheit zugunsten einer wuchtigen „Dann halt auf die harte Tour”-Haltung (teilweise) aufgegeben habt?
Also sicher nicht komplett, aber für diese Momentaufnahme trifft das schon zu. So wie es gerade aussieht, wird die nächste Scheibe wohl eine Blues-Platte. Und du weißt ja, wir halten was wir versprechen!

Irgendwie hat sich der Sound des aktuellen Albums schon bei der „BCC Sessions”-EP angedeutet, wenn ich zum Beispiel an „Sunken sun” und „Downed” denke. Hat sich der Rest ergeben oder habt ihr richtig Blut an diesen grimmigen Klängen geleckt und dann gezielt darauf hin gearbeitet?
Wir haben viel mit Equipment experimentiert und in kurzer Zeit viel gelernt. Ich denke, wir haben unseren Grundsound mittlerweile gefunden. Gezielt auf etwas hinarbeiten funktioniert bei uns nicht. Songs kamen und gingen, die besten setzten sich zu uns an die Bar, manche sitzen da aber immer noch.

Über welchen Zeitraum und wo habt ihr die aktuellen Tracks aufgenommen?
Die Drums haben wir im Studio22 in Vaihingen/Enz aufgenommen, welches mittlerweile nach Ludwigsburg umgezogen ist. Auch die ersten Gitarren, Bass und Vocals wurden dort auf die Platte gebannt. Das ging wieder alles sehr zäh vonstatten, weil wir in der ersten fest eingeplanten Zeit lange nicht alles geschafft haben. Einige Gitarren und Arrangements wurden später bei Ayers ergänzt und die Vocals auch in den Darkland Recording Studios in Heiningen aufgenommen. Das hat das komplette Jahr 2007 in Anspruch genommen.

Waren bei den Recordings alle Songs fertig oder habt ihr noch größere Veränderungen vorgenommen?
Einige der Songs wurden erst bei den Aufnahmen geschrieben und sind aus Jams entstanden, andere wiederum wurden komplett umarrangiert oder neu gestaltet. „Sunken Sun“ zum Beispiel haben wir in der Form wie auf der EP mit ins Studio genommen. Während der Aufnahmen waren wir aber damit nicht zufrieden und wollten den Anfang anders haben. Ayers’ Mitbewohner Fab „The Italian Stallion“ kam dann mit dieser Slide-Gitarren Idee, und das machte es, notwendig den kompletten Song umzuarrangieren. Dann hat der Herr Darkness noch einen Gospel-Chor für den Refrain beigesteuert und fertig war ein komplett neuer Song. Und das war bei einigen Nummern so… es war wirklich viel Arbeit.

Ist der Albumtitel ein Gleichnis für den jetzigen Zustand der Welt, oder steckt etwas anderes dahinter?
Ja! Nein! Äh. Eigentlich steckt nicht wirklich was dahinter. Aber wie ich sehe, kannst du einen Sinn darin entdecken, und so soll es sein. Ich will dir aber nicht vorenthalten, wie Hannes die Sache sieht:
Der Albumtitel ist an sich allumfassend gewählt. In gewisser Weise spiegelt er eine Welt wider, die durch Widersprüche und undurchschaubare Machenschaften verschiedenster Gruppen (der Sumpf) geprägt ist. Der Zuhörer wird dies auf musikalische Weise entdecken, die gesamte Platte ist sehr abwechslungsreich und nicht klar zu kategorisieren. Alles in allem spiegelt genau diese Mischung aber die musikalisch runde Welt der Band wieder.
Ja, ich musste auch grinsen ;-)

Das Design von „USS” find ich auch recht gelungen, irgendwie erdig, aber auch etwas abgedreht. Wer ist Tibor Schneider, der das verbrochen hat?
Tibor ist Schlagzeuger bei der Band „Glue“, und hat schon einer Reihe lokaler Bands ein schnittiges Outfit verpasst. Das hat sich eben ergeben. Gemeinsam mit ihm haben wir viel Zeit vor dem Rechner verbracht und sind mit dem Ergebnis aber sehr zufrieden! Das Artwork hat uns dennoch eine Menge Nerven gekostet und ist eine lange Geschichte.

Außerdem habt ihr euch ein neues Logo geleistet. Wird das beibehalten oder ist es nur der „corporate identity” geschuldet? Das alte Logo würde ja auf diesem Cover fehl am Platze sein.
Das Logo wird hoffentlich beibehalten, außer wir machen wirklich Blues. Gestaltet wurde es von Thilo Ebner von „Thilos Realistic Tattoo“ in Geislingen.

Warum hat es „Spit the critics” nur als „Dread corleone” auf’s Album geschafft? Ich hätte es fast nicht wiedererkannt.
Wenn ich mich recht erinnere, wurde der Text umgeschrieben, und der Titel hätte nicht mehr gepasst. Wenn ich mich nicht recht erinnere, war es wohl aus einer Laune heraus nach einem unserer „Pate“-Abende. Zudem wurde der Song auch komplett neu arrangiert, weil er uns in seiner früheren Form einfach nicht mehr wirklich gefallen hat.

Ist der Rausschmeißer „180 degrees” in einer eigenen Session entstanden? Ist ohnehin der längste Song der Scheibe, und bringt nochmal eine ganz andere Stimmung hervor. Klingt irgendwie gelöst und a bisserl psychedelisch.
Über dieses Riff hatten wir schon vor langer Zeit mal gejammt, aber es ist nie ein Song daraus entstanden. An einem dieser finsteren, verregneten Tage im Studio, ohne Heizung und nur mit Kerzen, wurde er dann von Ayers und Hannes aus einer Stimmung heraus ohne Beisein der restlichen Band fertig gestellt. Das Schicksal wollte es so! Das war wohl am letzten Tag der Drum-Sessions, und wir sind sehr glücklich, dass es „180 degrees” doch noch auf die Platte geschafft hat.

Die „BCC Sessions”-EP ist relativ kurz nach der „No bulletproof soul” entstanden. Habt ihr die Zeit danach komplett für’s Songwriting genutzt oder euch auch ‘ne Pause gegönnt?
Beides. „BCC Sessions” ist damals schon unter Druck entstanden, da wir eine „Zwangspause“ einlegen mussten, und diese Recording Session sollte dazu dienen, die bis zu dem Zeitpunkt entstandenen Ideen festzuhalten. Wir hatten die Chance, uns das Soundmann Studio für ein paar Tage unter den Nagel zu reißen und taten das. Danach ging es zurück in den Proberaum.

Sind eure Texte Therapien für euch selbst oder auch Botschaftsträger?
Unsere Texte sind zum allergrößten Teil persönliche Gefühle, Ängste und Befreiungsschreie in Textform. Also eher Therapien und nur Botschaftsträger für diejenigen, die diese Botschaften empfangen wollen. Wir verarbeiten da meist negative und schmerzhafte Erfahrungen; wie das eben immer so ist. Man redet oder diskutiert selten über positive Dinge. Außer Hannes, der schreibt gern über Piraten, also aktuelle politische Themen. Dennoch ist selten zuerst der Text da, sondern erst die Musik. Dann hat man die Möglichkeit, den Text einer Gesangslinie anzupassen und nicht umgekehrt.

Michelle Darkness durfte sich auch mal wieder bei euch austoben. Nur als Gastsänger oder auch wieder als Co-Produzent wie bei der EP?
Es ist so: Sobald du den Typen im Studio hast, ist deine Arbeitssituation eine völlig andere. Da wir befreundet sind, scheut er sich nicht seinen Senf dazu zu geben, und der ist eigentlich immer genießbar. So kann man ihn auch als Co-Produzenten durchgehen lassen. Das mit seinen Gesangseinlagen war eher spontan - wir waren gerade bei den Aufnahmen zum Gesang, dann kam aus der Regie „also ich würd das mal so und so probieren.“ Und als er uns das vorgesungen hat, was er machen würde, blieb es gleich auf dem Band. Wir sind schon linke Ratten.

Wenn überhaupt, haben alle vier Bandmitglieder verschiedene Lieblings-Song auf dem Album?
Ich denke ja. Also mir persönlich gefällt „Control“ und „Blacken the Sky“ am besten. „Epitaph“ ist jedermanns Liebling, und ansonsten gehen die Meinungen schon auseinander.

Im letzten und in diesem Jahr habt ihr euch live-technisch ziemlich rar gemacht. Lag’s nur an den Arbeiten am neuen Album?
Vor allem lag’s bei allen Beteiligten am „Arbeiten“, d.h. unsere Jobs. Zudem kam Proberaum- und allgemeiner Zeitmangel mit ins Spiel. Andere Bands hätten sich unter diesen Umständen vermutlich längst aufgelöst. Ich hoffe und bin zuversichtlich, dass sich das bald wieder ändern wird.

Besetzungstechnisch hat sich in all den Jahren nichts getan. Ist der status quo der einzig funktionierende? Kannst du dir momentan vorstellen, ein Puzzle-Teil auswechseln zu müssen?
Es gibt immer Stimmungsschwankungen, aber in dieser Konstellation funktioniert das sehr gut, wenn auch oft mit viel diskutieren. Manchmal wünscht man sich da fast eine Diktatur in der Band, wenn wirklich jeder meint, seinen Senf dazu geben zu müssen. Ach, und Puzzleteile kann man nicht einfach austauschen, sonst wird das Motiv verfälscht.

Habt ihr noch Verbindung zu Code Red Records? Oder macht ihr mittlerweile wieder alles auf eigene Faust?
In der Richtung ist momentan nichts geplant. Und so ein Vertrieb oder Label bringt dir auch nichts, wenn du diese Band-Sache nicht wirklich ausschließlich und professionell machen willst. Für eine Band wie unsere wäre es sicher wichtiger, eine Booking-Agentur zu haben, die für dich Gigs ran schafft. Aber auch das ist nicht so einfach.

Manchmal scheint ihr eine seltsam starke Vereinigung von vier Chaoten zu sein. Gibt es sowas wie Ruhepol und „Klassenclown”?
Ja, das ist vergleichbar mit der „Reise nach Jerusalem“ - für Idioten. Irgendwer dreht am Rad, der andere versucht zu bremsen, nur um dabei das Rad noch schneller drehen zu lassen. Du hast das schon richtig erkannt.

Würdet ihr für den Traum (ich denke mal, es ist der Traum eines Musikers) einer Profi-Karriere Kompromisse, wenn auch nur kleine, bei der Musik eingehen?
Nur, wenn Kompromisse unsere Schwächen in Stärke umkehren.

Spielt ihr live auch noch ein paar von den „alten” Songs oder konzentriert ihr euch auf das Material der „USS”?
Wenn es nach Hannes ging würden wir nicht einmal Songs von der „USS“ spielen :-) Wir spielen derzeit noch zwei Songs von der „Bullet“ live, ansonsten das neue Zeug und bald sicher das noch neuerere Zeug.

Wo liegen die musikalischen Vorlieben von Marc, Flo, Hannes und dir?
Oh. Also Marc konsumiert wirklich alles und kann dem meisten davon was abgewinnen. Flo ist eher der Metaller, Hannes eher der Hmjaweißauchnich (er kam neulich an und meinte wir sollen uns UNBEDINGT die Tokio Hotel Vidoes auf Youtube anschauen, die wären wirklich die Riff-Bringer…) und ich bin momentan voll auf Eagles (nein nicht „of Death Metal“) und Classic Rock. Das gibt sich aber wieder… versprochen!

Letzte Frage philosphisch: Ist für euch das Glas halbleer oder halbvoll?
Bei uns ist das Glas zu ¾ halbvoll. Hm, wenn ich weiter drüber nachdenke, trinken wir eher aus Flaschen und die sind dann schnell leer.

Gut, dann soll’s dann mal gewesen. Ich bedanke mich, und wie immer darfst du dich nochmal auslassen…
Scheiß auf die Finanzkrise und Rezession – es lebe die Musik!
Und dir wünsch ich weiterhin viel Spaß mit Klasma und Metaaaaaaaaaaaaal!